Behandlungsspektrum

Sprachentwicklungsverzögerung (SEV)

Ausbleiben oder verzögertes, spärliches und fehlerhaftes Einsetzen der kindlichen Sprache. Es wird angenommen, dass die sprachliche Verzögerung in absehbarer Zeit aufgeholt werden kann.

Sprachentwicklungsstörung (SESS)

Ist durch mehrere verbale Auffälligkeiten gekennzeichnet: Eine bis alle Formen der Dyslalie und eine bis alle Formen des Dysgrammatismus sowie Wortschatzeinschränkungen.

Dyslalie (Aussprachestörung)

„Eine Dyslalie bezeichnet die eingeschränkte Fähigkeit, Laute oder Lautgruppen einer Standardsprache altersgemäß zu erwerben oder anzuwenden.

Bei Dyslalien können zwei Arten artikulatorischer Einschränkungen unterschieden werden:

  • Phonetischer Aspekt: Die motorische Fähigkeit, einen Laut zu artikulieren, ist nicht gegeben. Es handelt sich um eine Lautbildungs- und damit Sprechstörung.
  • Phonologischer Aspekt: Die Fähigkeit, einen artikulatorisch richtig gebildeten Laut korrekt im Wort anzuwenden, ist eingeschränkt. Es handelt sich um eine Lautverwendungs- und damit Sprachstörung."
    (Martina Weinrich, Heidrun Zehner: Phonetische und phonologische Störungen bei Kindern, S. 2, 2005)

Dysgrammatismus

Der Dysgrammatismus betrifft die beiden Grammatikebenen Morphologie und Syntax. In dem Bereich Morphologie werden die Wörter gemäß ihrer syntaktischen Position und Funktion (z. B. Einzahl-Mehrzahl „die Vogels“, Beugung der Verben „er spielen Ball“ oder Fallbildung „das Mädchen springt auf den Wiese“) nicht korrekt gebildet. In dem Bereich Syntax werden die syntaktischen Regeln, die den Satzbau bestimmen, nicht eingehalten („Der Junge morgen zur Schule geht“).

Sprachverständnisstörung und eingeschränkter Wortschatz

Das „Sprach-Verstehen“ geht in der sprachlichen Entwicklung immer dem Sprechen voraus, d. h. die Kinder verstehen immer viel mehr als sie sprechen können. Das Sprachverständnis entwickelt sich durch die aktive Auseinandersetzung des Kindes mit den Personen und Gegenständen in seiner Umwelt. Es lernt die erste Verbindung von Wort und Bedeutung, auf die sich dann eine Ausdifferenzierung des Wortschatzes aufbaut.

Ein geringer Wortschatz (im Alter von 24 Monaten sollte ein Kind den Schwellenwert von 50 aktiven Wörtern überschritten haben) sowie Ausbleiben vom Fragealter, verzögerter Sprechbeginn, Beantwortung von Fragen nur mit ja oder gar nicht, fehlende oder unangemessene Reaktion auf sprachliche Aufgaben sind Hinweise auf eine bestehende Sprachverständnisstörung.

Myofunktionelle Therapie (MFT)

Das gestörte Schlucken ist die Indikation für eine Myofunktionelle Therapie. Der Lippendruck kann zu schwach und der Zungendruck zu stark sein. Die Zungenfehlfunktion kann unter Umständen Gebissanomalien zur Folge haben, die durch einen abnormen Zungendruck gegen oder zwischen die Zähne entstehen.

Behandlungsziel ist die Korrektur oder Verbesserung der falschen Schluckgewohnheit und die Wiederherstellung der orofazialen Muskelbalance.

Ideal ist eine MFT vor Behandlungsbeginn des Kieferorthopäden. Dadurch wird die Muskulatur in die Lage versetzt, sich gut an die sich verändernden Bedingungen im Mund anzupassen.

Die MFT findet auch Anwendung bei vielen Sprech- und Sprachstörungen. So setze ich sie auch schon bei Kindern ab dem 4. Lebensjahr ein. Die Kinder finden es durchaus normal, auch mit der Zunge und den Lippen vor dem Spiegel zu "turnen".

Stottern

Stottern ist eine Redeflussstörung oder Sprechablaufstörung, die charakterisiert ist durch unwillentliche, hörbare oder stille Wiederholungen oder Dehnungen bei der Äußerung von Lauten, Silben und Wörtern mit einer Silbe. Diese Unterbrechungen geschehen in der Regel häufig oder sind deutlich ausgeprägt und sind nicht ohne weiteres kontrollierbar.

Poltern

Poltern zeigt sich in einem gehäuften Auftreten lautlicher Auffälligkeiten wie Auslassungen und Verschmelzungen von Lauten und Silbenfolgen, Lautersetzungen und Lautveränderungen, die häufig zur Unverständlichkeit von Äußerung führen bei einer exzessiv hohen Sprechgeschwindigkeit. Zusätzlich treten Unflüssigkeiten in Form von Silben-, Wort- und Satzteilwiederholungen auf.

Mutismus

Mutismus bedeutet das völlige oder selektive (z. B. gegenüber fremden Menschen) Fehlen der Sprache bei an sich vorhandenem Sprechvermögen, besonders bei Kindern. Dieses dauerhafte und wiederkehrende Schweigen ist oft als Ausdruck einer negativen oder ängstlichen Haltung gegenüber der Umwelt zu sehen. Die Redebereitschaft gegenüber einigen wenigen vertrauten Personen in vertrautem Umfeld ist gegeben.

Sprachtherapeutisch relevante Lese-Rechtschreibstörung (LRS)

Die LRS ist eine ausgeprägte Beeinträchtigung der Entwicklung der Lese- und Rechtschreibfähigkeit, die nicht durch eine allgemeine intellektuelle Behinderung oder inadäquate schulische Betreuung erklärt werden kann.

Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS)

Bei einer AVWS handelt es sich um eine Beeinträchtigung in der Verarbeitung von Höreindrücken im Gehirn bei intaktem Gehör und normaler Intelligenz. Ein Kind mit einer AVWS „hört viele Geräusche gleichzeitig, kann jedoch nicht das Wichtigste heraushören, alles ist gleich laut, die anderen Geräusche lenken es vom Wesentlichen ab“.
(Nickisch/Heber/Buger-Gartner: Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung bei Schulkindern, 2002)

Audiogen bedingte Sprachentwicklungsstörung

Die durch eine Hörbehinderung verursachte Sprachentwicklungsstörung ist in ihrer Art geprägt durch den Schweregrad und die Frequenzabhängigkeit des Hörverlustes. Zu den typischen Merkmalen zählen Artikulationsstörungen, eingeschränktes Sprachverständnis, phonematische Diskriminationsschwächen, Dysgrammatismus, eingeschränkter Wortschatz, undeutliche Artikulation, veränderte Prosodie und Stimme. Die Kinder sind zumeist Hörgerät- oder CI-versorgt (CI = Cochlear Implantat).

Lippen-Kiefer-Gaumen-Segel-Fehlbildung

Lippen-Kiefer-Gaumen-Segel-Spalten (LKGS) bringen eine Veränderung des Sprechens mit sich. So werden die Lippen- oder Lippenzahnlaute /m/, /b/ oder /p/ sehr undeutlich gesprochen, die Zungenspitzenlaute /t/, /d/, /n/, /l/ und /s/ werden rückverlagert gebildet („Kangsk gu mir bikke gie Ngimo gebeng?“). Bei den Lauten /s/, /sch/, /k/, /d/ etc. wird die Luft durch die Nase hörbar (Nasendurchschlag). Der Stimmklang klingt nasal und stark gepresst. Es kann eine dauerhafte Heiserkeit folgen. Oft begleiten überflüssige mimische Mitbewegungen die Lautbildung.

Kinder mit geistiger Behinderung (z. B. Down-Syndrom)

Kinder mit Down-Syndrom verfügen zumeist über ein gewisses Maß an Sprachverständnis, während die aktive Lautsprache hingegen noch unzureichend entwickelt ist. Das Erlernen der Gebärdenunterstützenden Kommunikation (GuK) kann ihnen in dieser Phase helfen, sich der Umwelt gegenüber verständlich zu machen. Das Sprechen wird durch begleitende Gebärden unterstützt, wobei ausschließlich Schlüsselwörter gebärdet werden.

Der Sprachaufbau und die expressive Sprache werden weiterhin durch den Einsatz des Leselernprogramms von P. Oelwein gefördert. Durch die Visualisierung von Informationen und die Ausnutzung der Lesefähigkeit der Kinder können die Schwächen im auditiven Bereich kompensiert werden.

Aphasie

Aphasie bedeutet einen Sprachverlust, der in unterschiedlichem Ausmaß und variierender Zusammensetzung die vier sprachlichen Modalitäten Sprachproduktion, Sprachverständnis, Lesen und Schreiben betrifft. Die Sprachstörung setzt plötzlich ein und beruht auf einer umschriebenen Läsion der linken Hirnhemisphäre (z. B. durch einen Schlaganfall). Bei degenerativen Erkrankungen des Gehirns, wie z. B. bei Morbus Alzheimer, kann es zu fortschreitenden aphasischen Störungen kommen.
(Schölzer/Grötzbach: Aphasie- Wege aus dem Sprachdschungel, S. 6/14, 2002)

Dysarthrophonie

Die Dysarthrophonie ist eine Störung der Aussprache (Sprechstörung), der Stimmgebung und der Atmung; hervorgerufen durch Lähmungen, Schwächen oder Koordinationsstörungen der am Sprechen beteiligten Sprechmuskulatur (Parkinson, Multiple Sklerose, Hirnschädigungen durch Tumor, Trauma, Entzündung oder Schlaganfall).

Sprechapraxie

Bei einer Sprechapraxie handelt es sich um eine Planungsstörung. Die Fähigkeit, Sprechbewegungen in ihren räumlichen und zeitlich-sequentiellen Aspekten zu programmieren, ist gestört.

Stimmstörungen/ Dysphonie

„Eine Stimmerkrankung oder Stimmstörung (Dysphonie) äußert sich im Wesentlichen durch eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit der Stimme, verbunden mit einer vorübergehenden oder andauernden Veränderung des Stimmklanges. Diese Klangveränderung macht sich hauptsächlich als eine Beimischung von Geräuschanteilen im Stimmklang bemerkbar, was als Heiserkeit bezeichnet wird. Eine Stimmerkrankung basiert

  • entweder auf einer organischen Veränderung des Kehlkopfes wie Entzündungen oder Tumoren
  • oder auf einer Störung der Kehlkopffunktion.
  • Dementsprechend wird unterschieden zwischen funktionellen und organischen Stimmstörungen.
    (Sabine S. Hammer: Stimmtherapie mit Erwachsenen, S. 51, 2007)